Der Wirtschaftsflüchtling Hund vs. Mensch

8/07/2015

Foto: Janusz Klosowski  / pixelio.de
Ich habe seit drei Jahren einen Hund aus Spanien bei mir, die kleine Emmi, ein Jahr später, 2013, kam im Sommer auch noch die kleine Sopa aus Spanien hinzu. Zwei kleine spanische Hunde, die nach Deutschland kamen, um hier ein tolles Hundeleben leben zu können.
Emmi kommt von Teneriffa und kam mit dem Flugzeug nach Deutschland. Sopa kam in einem Transporter auf dem Landweg direkt zu mir. Da Emmi zuerst auf einer Pflegestelle war und ich sie dort das erste Mal traf, habe ich vorab nichts über ihre Herkunft gewusst und dann erfahren, dass sie ein kleiner spanischer Hund ist, der als kleiner Welpe zu einer Tierschutzorganisation gebracht wurde. Weil sie so eine kleine Hündin war, wurde sie sofort mit nach Hause genommen und von einer lieben Tierschützerin betreut, bis zu nach Deutschland ausreisen konnte.
Sopa hingegen war drei Wochen in einer spanischen Tötungstation und wurde dort von Tierschützern der Wolken-Hunde entdeckt und mitgenommen. Auf deren Internetseite entdeckte ich sie und nach einigem Warten, kam sie auf direktem Weg von Madrid zu mir nach Deutschland. Bei Sopa wusste ich, dass sie diesen 24 Stunden Landweg vor sich hat und machte mir Sorgen, ob dies alles für so einen Hund aushaltbar ist und wie sie diesen Transport verkraften würde.

Wer sich ein wenig mit Tierschutz und vor allem Auslandstierschutz beschäftigt, weiß, wie viele Menschen sich hingebungsvoll für Tiere in anderen Ländern einsetzen. Es ist toll zu sehen, wie viel Aufwand betrieben wird, um kranke, behinderte oder ganz junge Tiere aufzupäppeln und nach Deutschland zu vermitteln. Das es hier auch zu falschen Entscheidungen kommt, Tiere aus ihrer Umwelt gerissen werden, die ein souveränes Leben genießen und dann in einem Vorgarten hier in Deutschland vor sich hin vegetieren, ist leider auch keine Ausnahme. Ebenso gibt es auch unseriöse Tierschutzorganisationen, die einfach etwas Geld mit dem Leid der Tiere verdienen wollen. Immer wieder und jeden Tag werden furchtbare Fotos auf Facebook geteilt und mit dem baldigen Tot des Tieren gedroht, wenn nicht schnellstmöglich geholfen wird. So etwas lehne ich absolut ab. Ich bin sehr froh, dass ich damals rein zufällig an eine so tolle Tierschutzorganisation geraten bin und meine Sopa durch die Wolken-Hunde gefunden habe.

Warum schreibe ich aber, dass meine Hunde Wirtschaftsflüchtlinge sind? Ganz einfach: Weil es so ist.

In den Medien hört man dieses Wort momentan ständig, noch öfter, wenn man verschiedene Seiten auf Facebook folgt.
Was aber sind "Wirtschaftsflüchtlinge"?
Laut Duden: "Flüchtling, der nicht aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen sein Land verlässt."

Emmi und Sopa fanden in Spanien kein Zuhause, weil es dem Land wirtschaftlich schlecht geht. Die Arbeitslosenrate liegt bei 22,7 % (Stand April 2015), wo hingegen Deutschland mit 4,7 % (Stand April 2015) weit weniger Probleme mit Arbeitslosigkeit hat. Wenn die Menschen in Spanien kein Geld verdienen, teilweise ihre Häuse verlieren und gerade so über die Runden kommen, werden sie sparen, wo sie nur können. Und so wird auch das geliebte Haustier in die Töung gegeben, oder aber auch irgendwo ausgesetzt. Das die Tierschutzgesetze in anderen europäischen Ländern ganz anders, als hier in Deutschland aussehen, sollte jedem klar sein. Tiere haben dort meist weniger Schutz von staatlicher Seite zu erwarten, als es hier in Deutschland der Fall ist. Aus diesem Grund engagieren sich viele Menschen im Auslandstierschutz und vermitteln nach Deutschland, wo es den Hunden meist besser geht und die Chance auf ein tolles Zuhause einfach viel größer ist. Es sind demzufolge wirtschaftliche Fatoren, die meine Hunde nach Deutschland gebracht haben und ich habe meine zwei Witzbolde auch sehr gern bei mir aufgenommen und freue mich über jeden einzelnen Tag mit ihnen.

Foto: Janusz Klosowski  / pixelio.de

Und weil meine Hunde einfach Hunde sind und man ihnen auch nicht ansieht, ob sie nun aus Deutschland, Spanien, Italien, Bulgarien oder Tukrmenistan kommen, sind viele Menschen immer wieder erstaunt, dass sie überhaupt aus dem Ausland sind. Genau so geht es sicher auch allen Tierschützern und Tierbesitzern, die sich mit diesen Tieren beschäftigen.
 
Warum aber, macht es mich jedes Mal rasend, wenn ich ein und dieselben Menschen auf Facebook erlebe, die sich mit ganzem Herzen für den Tierschutz im Ausland einsetzen, gleichzeitig aber gegen Flüchtliche aus dem Ausland hetzen?
Das ist mir ein riesen großes Rätsel und kann meist nur durch Unwissenheit, oder noch viel öfter, mit Dummheit einhergehen.

Schaut man sich seit Anfang des Jahres um, vor allem hier in meiner Heimat Sachsen, kann einem nur schlecht werden. In Dresden laufen Pegida-Idioten durch die Straßen und haben Angst, dass die kriminellen Flüchtlinge schmarotzend ihnen die Arbeit und Frauen wegnehmen. 
In Freital gehen besorgte Bürger auf die Straße und protestieren gegen ein Flüchtlingsheim, da diese dort ankommenden junger Männer doch nur das Paradies auf Erden hier suchen.
Auch hier in Leipzig sieht es nicht anders aus. Die Demonstrationen, die sich durch diese Stadt ziehen, machen klar, dass selbst das tolerante Leipzig, einige wenige tolerante Bürger beherbergt. 

Es ist erschreckend, krank und einfach unmenschlich, wie es zu solchen Angriffen gegen Menschen kommen kann, die aus großer Not, durch Kriege traumatisiert und meist nach langer und gefährlicher Flucht, in einem vermeintlich sicherem Land ankommen. Wer sich intensiver darüber informieren möchte, klickt gern hier. Doch was erwartet diese Menschen hier? Ein brauner, dummer, gefährlicher Mob, der mit Deutschlandfahnen winkend, Steine werfend und voller Hass ihnen entgegen tritt. Schlimmstenfalls, wie vor allen in den letzten Monaten immer wieder gehäuft passierte, auch nicht davor zurück schreckt, diese Heime anzuzünden.

Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)  / pixelio.de

Das es diese Menschen gibt, die so voller Hass und Wut sind, ist wohl leider nicht zu ändern. Wo deren Empathie steckt, keiner weiß es, vielleicht haben sie auch einfach keine. Aber wieso können Menschen Empathie mit Auslandstieren empfinden, täglich stundenlang auf Facebook posten und nach neuen Plätzen für die geschundenen Seelchen suchen, Geld spenden und sich aufopfern, für diese kleinen Wesen, wenn im gleichen Moment kein einziger Funke Verständnis und Mitgefühl für Menschen herrscht, die sich in einer ganz ähnlichen Lage befinden, meist sogar in einer noch viel schlimmeren? Das verstehe ich ganz und gar nicht.

Der erst ein paar Tage alte Kommentar von Anja Reschke im "Panorma" zeigt, wie man auch mit diesem Thema umgehen kann. Nur leider muss man nicht lange warten, um die Gegenreaktionen aus der Facebookgemeinde zu empfangen: Facebookfeedback zum Kommentar.
Schon der Kommentar von Anja Reschke zum Gedenken an Auschwitz löste unglaubliche Wut unter den Zuschauern aus. Warum? Ich weiß es nicht und es wird sich mir auch nicht erschließen.

Aber warum schreibe ich das alles hier? Bitte liebe Menschen da draussen. Denkt kurz nach, wenn ihr über andere euch fremde Menschen herfallt. Schaut nicht weg, wenn es um menschliches Elend geht. Informiert Euch. Geht hin und sprecht mit ihnen. Legt all die Vorurteile ab und heißt die Menschen, die so viel Leid ertragen mussten "Willkommen". Wenn ihr so viel Herz den Tieren da draussen in der Welt schenkt, lasst noch etwas Platz für die Menschen übrig. Und vor allem: Habt keine Angst! Sie beißen nicht, das tun eher die Hunde, die vielleicht gar nicht so gern in Eurem Garten sitzen wollen, sondern lieber die Freiheit auf der Straße gelebt hätten.


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6 Kommentare

  1. Ganz, ganz toller Bericht, der sehr zu Herzen geht. Danke

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    1. Danke liebe Ines! Ich muss gestehen, dass ich etwas überrascht bin, dass dieser Artikel so wenig Resonanz findet. Bei meinem letzten Beitrag zu Emmis ersten freiwilligen Schwimmversuch, haben so viele kommentiert, hier und auch Facebook. Und zu diesem hier kommt fast nichts. Das ist für mich kein gutes Zeichen. :(
      Aber ich danke Dir um so mehr für Deinen Kommentar!

      Sei lieb gegrüßt
      Katja

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  2. Hey ihr 3!

    Wirklich toller Beitrag!
    Ich bekomme auch jedes Mal aufs neue einen Schreck, wenn ich sehe was teilweise Freunde von mir im Facebook posten was die aktuellen Themen angeht. Und wenn man sich mit ihnen unterhalten will darüber, merkt man das sie sich einfach nicht mit dem Thema beschäftigen sondern einfach blind Artikel teilen getreu dem Motto "Es steht im Internet, es muss wahr sein" Sehr beängstigend!
    Schade, dass der Artikel so wenig Resonanz findet! Ich finde ihn super!

    Liebe Grüße von uns an dich, Emmi & Sopa.

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    1. Liebe Victoria,
      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich hoffe einfach sehr, dass die Menschen sich mehr mit den inhalten auseinandersetzen und weniger teilen, was die Masse tut. Aber das wird wohl Zeit brauche, oder aber nie passieren. Schauen wir, wo sich das alles hinbewegt.

      Euch liebe Grüße
      Katja

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  3. na ja, vielleicht haben die richtigen den post erst - so wie ich - spät gefunden.

    und ja, es ist erschreckend in welche abgründe man manchmal schaut.

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    1. Man kann nur hoffen, das diese Menschen irgendwann aufwachen. Aber Hoffnung habe ich dafür nur wenig. :(

      Lieben Gruß
      Katja

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