Abschied

10/30/2015


 
Es ist nicht einfach diesen Post zu schreiben. Alles ist noch ganz frisch. Es ist nicht mal richtig in meinem so leeren Kopf und Herzen angekommen.

Am 28.10., vor zwei Tagen also, komme ich nach einem langen Tag nach Hause. In den letzten Stunden habe ich viel gelacht, war beim Friseur, habe liebe Menschen getroffen. Ich fahre Heim, parke, steige aus. Nebel liegt über dem in der Dunkelheit liegendem Feld. Es ist schon nach 20 Uhr. Die zwei Zwerge müssen noch ihre letzte Runde drehen und so lasse ich sie aus dem Auto hüpfen und gehe los. Unsere tägliche Abendrunde. Ein Stück die Straße entlang. Wir laufen ein paar Meter und erreichen die Laterne. Im Gras entdecke ich im Vorbeigehen weiß-getigertes Fell. Jetzt läuft alles, wie in Zeitlupe.

Es ist Nila. Sie liegt dort und bewegt sich nicht. Sie ist tot.

Ich gehe mit den beiden weiter. Ich beuge mich nicht einmal zu ihr herunter. Mit ist kalt und mir wird noch kälter. Ich zittere und versuche zu denken. Aber denken geht nicht mehr. Alles was mir durch den Kopf geht ist: "Was mache ich jetzt nur? Was mache ich jetzt nur?" 
Ich laufe durch die Straßen der so friedlich im Nebel liegenden Einfamilienhäuser. Und immer nur diese Gedanken. "Ich muss noch die gelben Säcke rausstellen." Der einzige Gedanke, der hinzu kommt.
Wir drehen um, gehen zurück, wieder unter der Laterne entlang und ich wage es nicht, ins Gras zu schauen. Ich bringe die Zwei nach Hause, ziehe mir Handschuhe an, stelle die gelben Säcke raus. Jetzt gibt es nichts mehr zu tun. Keine Ablenkung. Ich muss zu dieser Laterne.

Mit einem Karton in der Hand gehe ich zu dieser Stelle. Ich knie mich ins Gras und streichle über Nilas Fell. Sie ist ganz steif. Ich nehme sie hoch und lege sie vorsichtig in den Karton. Ich bin geschockt. Geschockt von diesem Anblick, von der Tatsache, von den Gefühlen, die hochkommen.

Ich schreiben meiner Freundin, was gerade passiert ist. Telefonieren kann ich nicht mehr.
Unter der heißen Dusche versuche ich vergebens wieder warm zu werden, aber das Zittern hört nicht auf, die Tränen wollen nicht aufhören zu fließen. Sopa sieht mich an und drückt sich ganz nah an mich, leckt mir die Tränen aus dem Gesicht, doch das macht alles nur noch schlimmer.

Irgendwann falle ich ins Bett und versuche zu schlafen. Die Nacht ist kurz. Ich höre immer wieder Nila mautzen.

7.30 Uhr klingel es. Mit einer Freundin begrabe ich Nila vorm Haus unter einem Baum. Ich muss sie noch einmal aus dem Karton nehmen. Jetzt ist es hell und der Anblick schockiert mich noch einmal.
Wir pflanzen viele bunte Frühjahrsblüher über ihr, stellen eine Kerze auf, trinken einen Kaffee und weinen zusammen. Wir gehen zur Laterne und nun sehe ich auch die Straße im Tageslicht.
Es muss ein schlimmer Unfall gewesen sein.

Mein liebes Nilchen,
so viel werden wir vermissen.
Dein Schnurren, wenn Du Dich so auf mich legst, dass mir die Beine einschlafen.
Dein Gemecker, wenn wir nach Hause kommen und Du uns schon vermisst hast.
Dein Beinstellen, wenn ich Dir Dein Futter hinstellen möchte und Du doch viel schneller sein willst, als ich.
Dein Pfötchengefuchtel, wenn Du mit Emmi um die Wette Blödsinn machst.
Dein weiches Fell und Deine süße Schnute, die ich streicheln durfte.
Deine Beute, die Du immer mit uns geteilt hast.
Wir werden Dich vermissen.
Und werden immer bei Dir sein.

Katja, Emmi & Sopa


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10 Kommentare

  1. Ich wünsche ihr eine gute Reise über die Regebogenbrücke!

    Schlabbergrüße Bonjo

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  2. Liebe Katja,
    das tut mir unendlich leid. Es ist immer so schlimm wenn uns ein geliebter Vierbeiner verlässt. Ich wünsche dir viel Kraft in dieser schweren Zeit.
    Traurige Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  3. Das tut mir so leid. Mir fehlen die Worte. Ich wünsche euch viel Kraft ...

    Traurige Grüße

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  4. Ich danke Euch für Eure Worte. Jeden Tag erinnere ich mich an das Nilchen, an die vielen Mäuse, das Gemecker und Geschnurre, die Fäden in all meinen Klamotten erinnern mich auch jeden Tag an sie. Schön, dass ich sie bei mir haben durfte.

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  5. Es tut mir so leid und ich bin in Gedanken bei Dir, liebe Katja! Die wahren Worte sind die schweren, die sich immer so leicht sagen lassen: Lass' sie laufen, lass' sie gehen ... da wo sie jetzt ist, da geht es ihr so richtig gut!

    Auch wir wünschen Dir viel Kraft in diesem schweren Stunden und der kleinen Nila eine gute Reise

    Herzlichst
    Severine

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  6. Ich bin heute durch Zufall über Deinen Blog gestolpert, total begeistert! Jetzt habe ich diesen Post entdeckt und kann gar nicht mehr aufhören zu weinen. Mein Kater ist vor vier Jahren gegangen, und es tut bis heute weh. Willkommen und Abschied - am 28. Oktober ist mein Hund geboren, mein dicker süßer Welpe, der jetzt zu meinen Füßen liegt und mich irritiert anguckt.
    Ich grüße Dich herzlich - Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      das Dich dieser Post so berührt, liegt ganz sicher an der eigenen Erfahrung ein geliebtes Tier zu verlieren. Für mich ist es auch heute noch ein ganz komisches Gefühl, an dieser Laterne vorbeizugehen, und Nilas Grab zu sehen. Immer wieder stelle ich mir die gleichen Fragen und werde nie eine Antwort bekommen.

      Sei ganz lieb gegrüßt
      Katja

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  7. Liebe Katja,

    ich sitze hier jetzt mit tränenüberströmten Gesicht -- es tut mir so sehr leid, auf welche Weise Du Nila verloren hast. Sie war so eine Süße -- auf dem vorletzten Foto erinnert sie mich an meinen Kater Flecki.

    Der Kater einer Freundin wurde vorletztes Jahr auch fast tot im Straßengraben gefunden. Leider verstarb er kurze Zeit danach. Es hat mich lange Zeit verfolgt, warum der Autofahrer nicht angehalten hat. Und Kalli war noch nicht einmal meine Katze...

    Ja, diese Geschichte berühren sehr, besonders wenn man selbst Tiere verloren hat (der Hund meiner Kindheit und meine erste Katze). Ich darf nicht einmal daran denken, dass Flecki so etwas passieren könnte... (Er ist übrigens auch ein guter Mausjäger!)

    Ich habe meinen Blog zwar Ewigkeiten nicht akutell gehalten (2015 war viel los), aber hier siehst Du ein paar Fotos von Flecki.

    Liebe Grüße und viele Streicheleinheiten für Deine süßen Hunde,
    Birgit

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    1. Liebe Birgit,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Die Zeit vergeht so schnell und nun sind schon wieder vier Monate vergangen und ich kann es immer noch nicht so richtig glauben. Es ist schlimm und die Bilder verschwinden auch nicht aus meinem Kopf.

      Sei lieb gegrüßt
      Katja

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    2. Liebe Katja,

      Nila hatte wirklich Glück, bei Dir ein Zuhause gehabt zu haben. Und an die schönen Momente erinnert man sich ja immer, nicht?

      Sei herzlich umarmt und einen schönen Sonntaq,
      Birgit

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