Hündin oder Rüde? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Hundehaltung?

2/17/2016

Mädchen im Himmelbett :)

Für mich war von vorn herein klar: Zu mir kommen nur Hündinnen! Wenn mich jemand danach fragt, warum das so ist, kann ich nur antworten: "Keine Ahnung... ist einfach so."
Vielleicht spielen da Vorurteile eine Rolle, das unangenehme Bild vom "Bälle" leckenden Rüden, der prollige Hund, der zeigen muss, wo der größte Knochen zu holen ist, oder der durchgeknallte Balljunkie, der wie ein Irrer über die Wiese fliegt. Natürlich ist das alles Quatsch, denn all das kann man genau so gut bei Hündinnen beobachten (außer das Bälle lecken natürlich).

Doch gibt es nun geschlechtsspezifische Unterschiede, die sich in der Erziehung, Haltung und generell im Umgang mit unseren domestizierten Haushunden zeigen? Diese Frage habe ich mir bisher nicht wirklich gestellt. Deshalb war ich überrascht, dass mich die Antwort darauf doch sehr interessiert und ich sehr gespannt den Artikel von Patricia McConnell ("Das andere Ende der Leine") in der BARk las, der dort 2009 erschien.

Dieses Hundemagazin stellte ihr genau diese Frage.

“If you want a good dog, get a male. If you want a great dog, get a female and cross your fingers.” 

Dies ist ein amerikanisches Sprichwort. Ich finde es super und könnte mir einen solchen Spruch im Deutschen auch gut vorstellen. Mir ist allerdings kein Sprichwort bekannt, welches wir in diesem Zusammenhang benutzen würden. Sind also, bei allem Glück, welches demzufolge dazugehört, Hündinnen die "besseren Hunde"?

Es gibt, laut McConnell keine wissenschaftlich bestätigten Aussagen zu diesem Thema. Und auch nach Recherche und Befragung bekannter Hundemenschen, kam auch sie nur zu folgenden Antworten, auf diese spannende Frage;

“Males are softer.”
“Females are softer.”
“Males are more independent.”
“Females are more independent.”
“Males are easier to train than females.”
“Females are easier to train than males.”  

Ok, Gleichstand. Doch wie schaut es denn aus, wenn man sich Hundesportarten anschaut, Meisterschaften bei Schutz- und Hütehunden. Hier ist der Rüde ganz weit vorn. Rüden räumen hier laut McConnell die Preise ab und nach Hündinnen muss man eher in den Ranglisten suchen. Doch ist das tatsächlich so, dass Hündinnen hier weniger Leistung bringen?
Schaut man sich an, welche Kosten Hundehalter auf sich nehmen, um mit ihren Tieren an Meisterschaften teilzunehmen, ist es wohl verständlich, dass hier eher Rüden aufgebaut werden, als Hündinnen. Denn Hündinnen werden durch Läufigkeit oder Trächtigkeit in bestimmten Zeiträumen gar kein Training absolvieren können, oder dürfen auch nicht an Meisterschaften teilnehmen. Diese Resultate sind also nicht repräsentativ, wenn man hier Rückschlüsse ziehen möchte.

Doch kommen wir man zu uns selbst. Sind wir vielleicht auch dafür verantwortlich wie Hündinnen und Rüden in Bezug zu ihren Geschlechtern von uns erzogen werden? Machen wir selbst Unterschiede, wenn wir eine Hündin oder einen Rüden vor uns haben? Auch darüber hatte ich nie nachgedacht. Aber wenn ich in mich gehe, dann glaube ich schon, dass ein gewisses Geschlechterverständnis auch beim Umgang mit Hunden eine recht große Rolle spielt.

Wenn das Geschlecht gar keine Rolle spielen würde, stellt Euch doch mal Euren Hund in anderem Geschlecht vor. Geht das? Bei mir geht das gar nicht. Ich kann mir weder die kleine Zahnfee Emmi, noch den Donnerbalken Sopa als Rüden vorstellen. Doch warum ist das nur so?

Klein Emmi mit großem Freund Cannello

Was ich aber definitiv als Antwort geben kann ist, dass es noch keine Antwort auf diese Frage gibt. Obwohl man doch glaubt, dass unsere Hunde schon bis in jede Zelle des Tieres erforscht ist, gibt es doch noch genug, was es zu erforschen gibt.

Was denkt ihr denn? Gibt es Unterschiede zwischen Hündinnen und Rüden, außer die offensichtlichen in der Anatomie? Sind Hündinnen weicher? Sind Rüden körperlicher? Lernen Hündinnen schneller? Sind Rüden loyaler? Ich bin gespannt, was ihr antworten werdet und freue mich auf viel Feedback von Euch und unseren Hunden. Vielleicht gibt es auch schon ganz neue Erkenntnisse, die in en letzten 7 Jahren getroffen worden?


Emmi und Sopa sind sich auf jeden Fall ganz sicher, dass sie keine Rüden sein wollen. Und natürlich auch viel intelligenter, hübscher und sportlicher sind, als ihre männlichen Kollegen. (Ich habe nur genickt und nicht widersprochen, sonst werde ich nur wieder angezickt. ;) )

Hier noch einmal der Link zum Artikel in der BARk, solltet ihr ihn oben nicht gefunden haben.

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13 Kommentare

  1. Mhmmm gute Frage :-D
    So recht darüber nachgedacht habe ich auch noch nie. Allerdings fällt mir auf, dass ich als Rüden Besitzer Vorurteile ggü. den Mädels habe. Nämlich das sie prinzipiell zickig sind (was natürlich quatsch ist aber irgendwie denk ich da so). Und das mir nie eine Hundedame ins Haus kommen würde. Bin eher der Rüdentyp.
    Ob es Unterschiede gibt? Ich weiß nicht, wir sind tatsächlich fast nur von Rüden umgeben. Kann das gar nicht so recht beurteilen. Mir fällt aber immer wieder auf, dass Nicht-Hundebesitzer Rüden häufig als aggressiver und gefährlicher einschätzen. Wir haben tatsächlich schon oft gehört 'Oh ein Rüde. Der ist doch bestimmt aggressiv zu anderen Rüden'. Ähm nein. Aber so hat eben jeder seine Vorurteile. Wenn wir auf dem Beagleplatz sind, spielen beide Geschlechter gleich miteinander. Die Rüden sind aber häufig sexueller orientiert (tz Männer;-)) auch untereinander. Also doch ein Unterschied :-) Ich denk da nochmal in Ruhe drüber nach :-D Interessantes Thema :-)
    Liebe Grüße

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    1. Liebe Victoria,
      ja, genau so ging es mir auch, als ich den Artikel in der Bark gelesen habe. Wieso hat man denn darüber bisher nicht nachgedacht? Wir haben übrigens auch einen Beagle-Rüden-Freund. :)
      Ich glaube, dass sogar eher die Rasse ausschlaggebend ist, vor allem, was Vorurteile angeht. Wenn wir z.B. einem Dobermann begegnen, dann mache ich eher einen Bogen, egal ob Hündin oder Rüde. Bei denen habe ich einfach nie ein gutes Gefühl. Warum auch immer. :/

      Sei ganz lieb gegrüßt
      Katja

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  2. Hm, ich muss noch mal intensiver darüber nachdenken. Aber auf die Schnelle würde ich sagen "kein Unterschied"!

    Wenn ich jetzt meinen verstorbenen und Zeit seines Lebens unkastrierten Collierüden Kim mit der kastrierten Linda vergleichen will, muss ich sagen, beide gleich gehorsam, beide gleich zärtlich und unglaublich sensibel, beide total auf mich fixiert, beide intelligent - aber jeder auf seine Art. Eher war Kim noch ruhiger und unaufdringlicher, Linda kann ganz schön austeilen, besonders gegen ihresgleichen...

    Ich glaube auch nicht, dass ich einen geschlechterspezifischen Unterschied in der Erziehung mache. Ich hätte Kim bestimmt nicht von vornherein härter angefasst, nur weil er ein Rüde war. War auch überhaupt nicht nötig und ich wäre Linda gegenüber nicht nachgiebiger, nur weil sie ein Mädchen ist. Das käme bei mir ganz drauf an, wie der Hund sich gibt, egal welchen Geschlechtes.

    Da glaube ich eher an Rassenunterschiede...

    LG Andrea mit Linda

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    1. Liebe Andrea,
      die Rassenunterschiede sehe ich ganz genau so. Aber so ganz kann ich die geschlechtsspezifischen Unterschiede noch nicht abtun. Ich hoffe, dass hier die Wissenschaft bald neue Erkenntnisse liefert. :)

      Sei ganz lieb gegrüßt
      Katja

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    2. Liebe Katja, ich habe da jetzt auch eher auf meine beiden bezogen geantwortet. Unterschiede wird es immer geben, kommt ja auch auf den Charakter des jeweiligen Hundes mit an. Ich kannte mal eine große Schweizer Sennenhündin, neben der hat jeder Hundetrainer und auch jeder Rüde alt ausgesehen. Die hatte alles, aber nichts mädchenhaftes... lach

      Ich denke aber, bei mir entscheidet die Chemie und dann wäre es mir egal, ob es ein Rüde oder eine Hündin ist.

      Habt noch einen schönen Abend.

      LG Andrea

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  3. Ich weiss nicht, ob es große Unterschiede gibt. Tiere sind ja immernoch individuelle, ganz gleich welchem Geschlecht sie angehören.
    Ich habe ja Rüde und Hündin, sowie einen Kater und 3 Katzen und hier gibt es eigentlich ein ganz klares Schema: Meine weiblichen Tiere sind alle durchwegs Zicken. Mein Kater ist hier von den Katzen ganz eindeutig der, der hier mit allen anderen super auskommt, während es zwischen den Katzen und den anderen Tieren schon Mal Ärger gibt. Bei den Hunden ist es genau so: Genki würde nie Streit mit Momo oder den Katzen suchen, Momo dagegen manchmal los. Meine weiblichen Tiere können richtige kleine Tyrannen sein.

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    1. Uups, da hat sich doch glatte in Tier, das ich garnicht habe untergemogelt. Ich habe einen Kater und "nur" 2 Katzen.

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    2. Aber dann wäre doch alle weiblichen Tiere Zicken, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, oder? Das kann ich so aus meiner Erfahrung gar nicht sagen. Wir haben sehr viele weibliche Hundefreundinnen und da sind die meisten super freundlich zu anderen Tieren. Nur meine Sopa ist eine kleine Oberzicke und wird von mir auch liebevoll "Du und Dein Zahnfleischlächeln" genannt. Da sie sehr schnell und oft mal die Zähne zeigt.
      Bei den Rüden ist das ähnlich. Es gibt sehr sehr nette Rüden, aber auch die durchgeknallten Flummies, die gern mal die Kleinen über den Haufen rennen und nicht so freundlich sind. Ich glaube ja, dass es doch gar keine richtig eindeutige Antwort auf diese Frage geben kann.

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  4. Hm, interessante Frage mit der ich mich allerdings schon lange auseinander setze. Für uns war immer klar: Es kommen nur Rüden ins Haus. Wir haben 2, beide sind unkastriert und Mos Vorgänger war ebenfalls unkastriert. Wir hatten deswegen nie Probleme, weder mit Hündinnen noch mit anderen Rüden. Klar, da wird sich mal gekloppt und geprollt aber das ist auch schnell wieder vorbei. Bei Hündinnen dagegen sieht das anders aus. Wir sind seit fast 10 Jahren jeden Samstag in der Spielstunde auf dem Hundeplatz. Und die Mädels sind eindeutig zickiger. Ich habe auch schon von mehreren Leuten gehört, dass Mädels die sich fetzen viel ernster machen als Rüden, bei denen es zwar auch körperlich wird, die hören aber in der Regel auf wenn der Gegner sich ergibt. Beißereien unter Hündinnen sind wohl eher blutig und gehen auch mal bis zum bitteren Ende. Und ich persönlich habe noch niemals einen Rüden gesehen, der eine Hündin verkloppt - umgekehrt aber durchaus. Freunde von uns haben zwei Hündinnen (die junge kastriert, die ältere nicht) und die fetzen sich regelmäßig daheim. Meine beiden haben das noch nie gemacht, nicht einmal ansatzweise. Wobei unser Trainer da der Meinung ist, das liegt am Gemüt des Berners der sich eben tendentiell alles gefallen lässt - zumindest vom Terrier. Bei anderen Rüden draußen sieht das anders aus.
    Ich hab jetzt eben nochmal den Gatten gefragt der ab und an am Hundeplatz mit aufpasst und er ist der Meinung, dass die Damen dort deutlich häufiger ausfallend werden - und zwar immer den anderen Damen gegenüber. Es sind also keine "nerviger Rüde lass mich in Frieden" Schnappereien sondern eher Damen-Ringkämpfe ;-)

    Liebe Grüße
    Susanne

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    1. Liebe Susanne,
      tendentiell würde ich Dir da auch zustimmen, obwohl es sicher auch hier ausnahmen gibt (die für mich aber auch eher Rasseabhänging sind). Doch auch ich mache die Beobachtung, dass Hündinnen bei Streitereien nicht so schnell aufgeben und es meist ein Hochschaukeln gibt. Doch die eigentliche Frage ist ja doch, ob es Unterschiede in der Erziehung gibt. Und hier glaube ich, dass es diese eher nicht gibt. Das liegt ganz am individuellen Tier und der konsequenz des Besitzers. Oder was denkst Du?

      Sei lieb gegrüßt
      Katja

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    2. Hallo Katja,
      da bin ich wohl etwas vom eigentlichen Thema abgewichen, stimmt wohl. Ich als Rüdenbesitzerin kann dazu nur sagen, dass ich meine Jungs dahingehend erziehe, dass sie nicht alles markieren - seien es Zäune, Pfosten oder Laternenmasten. Das Problem haben Hündinnen-Besitzer wohl eher nicht :D Ansonsten glaube ich nicht, dass man erziehungstechnisch Unterschiede machen muss - das ist wohl eher eine Rassefrage.

      Liebe Grüße
      Susanne

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  5. Ich finde das Thema auch sehr spannend, habe aber noch nie darüber nachgedacht. Ich wollte immer eine Hündin, kann aber nicht sagen, warum. Mit Socke habe ich ein echtes Mädchen bekommen. Sie ist sehr eigen und prinzessinnenhaft. Dabei frage ich mich natürlich, ob ich sie dazu gemacht habe oder ob sie wirklich so ist. Da ich noch nie einen Rüden hatte, ist die Frage für mich noch schwerer zu beantworten. Wie bei uns Menschen werden sicher bei den Hunden aus geschlechtsspezifische Unterschiede zu finden sein, die nötig waren, um zu überleben und seine Nachkommen durchzubringen. Darüber hinaus ist es aber sicher eine ganz individuelle Sache….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Liebe Sabine,
      ich habe jetzt auch noch einmal mit mehreren Hundefreunden über das Thema gesprochen, aber auch ich komme hier nicht wirklich weiter. Zum einen spielt die Rasse doch eine riesige Rolle, wenn es um Erziehung geht, ob dann das Geschlecht noch eine weitere Rolle spielt, kann mir niemand so richtig beantworten.
      Sind wir also gespannt, ob die Wissenschaft irgendwann weiterhilft. :)

      Sei lieb gegrüßt
      Katja

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